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Friedrich und die #nymwars

August 7, 2011

Die nymwars gehen weiter. Irgendwie waren sie schon immer da, die “Kriege” um die Anonymität im Internet. So richtig hochgekocht ist die Diskussion aber in den letzten Tagen durch das Festhalten Googles an der Realnamen-Policy für das soziale Netzwerk Google+. Dort werden alle Konten gelöscht oder gesperrt, die unter Pseudonymen eingerichtet wurden. Viele stellte Google zwar wieder her, der Klarnamenzwang wurde aber nicht abgeschafft. Etlich viele Vorfälle und dementsprechende Blogposts gab es seitdem zum Thema. Randi Zuckerberg, Schwester des Facebook-Gründers, erklärte neulich – zufällig zeitgleich zur Google-Debatte – in der Huffington Post:

Ich denke, dass Anonymität im Internet verschwinden muss. Die Menschen benehmen sich mit ihren Klarnamen viel besser. … Ich denke, dass die Leute sich hinter der Anonymität verstecken und das Gefühl haben, hinter geschlossenen Türen sagen zu können was sie wollen.

Bei Facebook möchte man also zukünftig die Kommentare zivilisieren. Auch Googles früherer Vorstandschef Eric Schmidt findet Pseudonyme im Internet gefährlich.

In die Debatte hat sich nun Bundesinnenminister Friedrich eingemischt. Im heutigen Spiegel forderte er aufgrund der Vorfälle in Norwegen ein Pseudonym-Verbot und verlangte, dass die Grundsätze der Rechtsordnung auch im Internet gelten müssen. Als Reaktion zeigte Udo Vetter im Hyperland jedoch promt auf, dass es in Deutschland für Blogger eigentlich keine Anonymität im Internet gibt, da hier bereits Impressumspflicht besteht.

Erwähnen sollte man vielleicht auch noch, dass für den Rest des Netzes noch immer § 13 Abs. 6 TMG gilt:

Der Diensteanbieter hat die Nutzung von Telemedien und ihre Bezahlung anonym oder unter Pseudonym zu ermöglichen, soweit dies technisch möglich und zumutbar ist. Der Nutzer ist über diese Möglichkeit zu informieren.

Jillian C. York erläuterte kürzlich, warum aber Pseudonyme so wichtig sind (von Metronaut ins Deutsche übersetzt). Sie zählt einige Beispiele auf und schreibt:

Trotzdem sind diese Strategien, die Echtnamen erfordern, fast unmöglich komplett umzusetzen, und wie verschiedene Beispiele gezeigt haben, führt die Durchsetzung dazu, dass gerade Menschen, die bekannt sind oder viele Feinde haben (…) in den Fokus solcher Maßnahmen geraten.

Man würde also durch einen Realnamenzwang – aus sicherheitspolitischen oder auch aus unternehmensstrategischen Gründen – nicht nur Trolle, sondern auch viele andere Stimmen zum schweigen bringen: Missbrauchs- und Diskriminierungsopfer, Whistleblower, Menschen mit abweichender sexueller Orientierung, mit unpopulären, abweichenenden oder extremen Meinungen, politische Aktivisten in totalitären Regimen… Eine lange Liste aller gefährdeten Gruppen gibt es hier. Gegen Kriminelle oder Terroristen lässt sich mit der Abschaffung der Anonymität wenig effizient vorgehen, denn die haben immer Tricks auf Lager, um Regulierungen, Zensur und Verbote zu umgehen.

Ein Klarnamenzwang macht das Internet nicht zu einem besseren Ort. Was diese Forderung jedoch für die Meinungsfreiheit, das Recht auf informationelle Selbstbestimmung und letztendlich die Demokratie bedeutet, scheint Friedrich nichtmal zu ahnen.

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