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Google Art Project: Das nicht wirklich offene Museum

February 9, 2011

no_womenMit dem am 1. Februar gestarteten Google Art Projekt können von nun an 2 Milliarden Internetnutzer die 17 bedeutendsten Kunstmuseen der Welt virtuell besuchen. In Deutschland haben sich die Gemäldegalerie und die Alten Nationalgalerie in Berlin an dem Projekt beteiligt. Weitere Museen sind etwa das Museum of Modern Art in New York, die Londoner Tate Gallery, der Palast von Versailles oder das Van Gogh Museum in Amsterdam. Nach 360°-Rundgängen durch die Museen kann man sich eine eigene Sammlung aus den insgesamt 1 061 Gemälden zusammenstellen, sie kommentieren und sie per Twitter oder Facebook mit Freunden teilen. Jedes Museum hat zudem ein Gemälde ausgewählt, das mit einer „Gigapixel“-Fototechnologie aufgenommen wurde. Die Staatlichen Museen zu Berlin haben beispielsweise die Werke “Der Kaufmann von Gisze” (1532) von Hans Holbeins d. J.  und “Im Wintergarten” (1879) von Edouard Manet beigesteuert.

Wie könnte man da annehmen, dass ein solches Projekt nicht dem freien Zugang zu Kunst, Kultur und Wissen dient?  In vielen Medien und Blogs wurde eher  positiv über das Projekt berichtet.

Aber die eigentliche Voraussetzung für die Zusammenstellung einer eigenen Sammlung ist natürlich die Einrichtung eines Google-Kontos. Dann erst könnte man die Sammlung auch mit anderen teilen. Eine freie Verbreitung von Wissen und Kunst ist das nicht gerade. Denn es gibt keine (offizielle) Möglichkeit, die Bilder herunterzuladen. Die interaktiven Bereiche der Seite, die zum Rundgang und Zoomen dienen, gibt es nur im Flash-Format.

„Wenn ich beispielsweise Kunst- oder Geschichtslehrer bin, muss ich meine Schüler auf die Seite schicken, um Ihnen die Werke zu zeigen“ kritisiert Adrienne Alix, Vorsitzende von Wikimédia Frankreich, in ihrem Blog.

Aber nicht nur die technischen Einschränkungen sind ein Problem. Auf der Seite des Google Art Projekts wird explizit jegliche Nutzung der Werke, außer natürlich einer Betrachtung im Netz, verboten. Auf der FAQ-Seite des Google Art Projekts kann man lesen:

The high resolution imagery of artworks featured on the art project site are owned by the museums, and these images are protected by copyright laws around the world. The Street View imagery is owned by Google. All of the imagery on this site is provided for the sole purpose of enabling you to use and enjoy the benefit of the art project site, in the manner permitted by Google’s Terms of Service.

Und das betrifft auch die Gemälde, die zum Gemeingut gehören. Denn selbst wenn der Schutz nach dem Urheberrecht abgelaufen ist, muss dies nicht unbedingt auf Fotos oder Reproduktionen gemeinfreier Vorlagen zutreffen. Diese These, und vor allem dieser Zustand, findet nicht nur Befürworter. So ist auch der Historiker Klaus Graf Gegner der Vermarktung durch Museen und meint, dass Kulturgut ein frei nutzbares Allgemeingut sei. In einem Artikel der Kunstchronik schreibt er:

Dass bei der originalgetreuen Wiedergabe von zweidimensionalen Vorlagen nach herrschender juristischer Lehre (die der Fotografenlobby natürlich nicht genehm ist) kein Schutzrecht nach § 72 Urheberrechtsgesetz entsteht, ignoriert man.

Auch bei der Wikimedia Foundation gibt es Widerstand gegen das Projekt. In der Kategorie „Google Art Project“ des Wikimedia Commons findet man bereits mehrere Werke in hochauflösendem Format. Auch der französische Blogger Bohwaz hat jetzt eine simple (aber legal fragwürdige) Antwort gefunden:  Die Werke ganz einfach runterladen.

Und so geht’s:

Unter Linux ImageMagick installieren (apt-get install php5-cli imagemagick)

– Dann das Skript dort http://paste.balbinus.org/765 runterladen und beispielsweise unter “gap_download.php” abspeichern.

Schließlich folgenden Befehl mit der URL des gewünschten Gemäldes eingeben (zum Beispiel No Woman No Cry von Chris Ofili) :
$ php gap_download.php http://www.googleartproject.com/museums/tate/no-woman-no-cry


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