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Houellebecq umsonst im Netz: Verlag verklagt Blogger

November 29, 2010

houellebecqDer Roman La Carte et le territoire von Michel Houellebecq ist das erste Werk unter freier Lizenz, das mit dem Prix Goncourt ausgezeichnet wurde. Das zumindest erklärte Florent Gallaire, Jurist für IT-Recht, neulich auf seinem Blog. Der Prix Goncourt gilt als der begehrteste und wichtigste Literaturpreis in Frankreich und lässt die Verkaufszahlen des Gewinners gewaltig in die Höhe schießen. Aber Michel Houellebecq verkauft sich eigentlich auch so ganz gut, sein Roman Elementarteilchen ist ein Bestseller und mittlerweile Kult.

Im September ließ allerdings das französische Online-Magazin Slate.fr die Katze aus dem Sack: Michel Houellebecq bediente sich für sein mittlerweile preisgekröntes Werk Wort für Wort und ohne Quellenangabe bei mindestens drei Wikipedia-Artikeln. Es ist natürlich erlaubt, Inhalte aus der Wikipedia zu verbreiten und zu vervielfältigen, solange der Autor genannt wird und die Inhalte unter der gleichen Lizenz weitergegeben werden. Sie stehen seit Juni 2009 unter der Creative Commons Lizenz CC-BY-SA. Daher schlussfolgerte der Blogger Gallaire, dass das Buch als abgeleitetes Werk ebenfalls unter dieser CC-Lizenz stehen müsse (siehe Copyleft) und machte den Roman im Netz frei zugänglich.

Der weltberühmte Autor war nicht erheitert und stritt die Vorwürfe ab. Auch das Verlagshaus Flammarion war nicht erfreut über die Veröffentlichung im Internet und verkündete am letzten Freitag, man werde nun rechtliche Schritte gegen den Blogger und alle Internetseiten, die das Buch anbieten, einleiten. Der Verlag ist der Meinung, dass der Blogger eine Regelung zitiert, die nur auf Textbearbeitungen bei Wikipedia angewendet werden können, also bei kollektiven Werken. Dies sei aber nicht der Fall bei persönlichen Arbeiten und Werken, die von Wikipedia-Artikeln inspiriert wurden.

In der französischen Blogosphäre wird daher gerade lebhaft diskutiert, ob Gallaire Recht hat und sein Werk automatisch unter der gleichen Lizenz stehen muss, ob es sich lediglich um ein Plagiat (contefaçon) handelt, ob jemand überhaupt zur Nutzung einer bestimmten Lizenz gezwungen werden kann und was es für das Urheberrecht bedeutet, sollten Flammarion und Houellebecq als Sieger aus dem kommenden Prozess gehen.

Die deutsche Übersetzung Karte und Gebiet erscheint übrigens am 16. März 2011 bei Dumont.


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2 Comments leave one →
  1. November 29, 2010 11:36 am

    Danke für das Übertragen dieser sehr französischen Geschichte in den deutschen Netzraum.

    Aber, so sehr ich mich für CC-Lizenzen begeistern kann, es fällt mir schwer nachzuvollziehen, wie ein Roman gleich ein abgeleitetes Werk im Sinne der CC sein kann.

    Kennt das französische Urheberrecht das Konzept der Schöpfungshöhe? Demnach wäre der Roman ja wohl ziemlich eindeutig ein eigenständiges Werk.

    In diesem Zusammenhang, gibt es irgendwo eine französische Website, die ähnlich der deutschen irights.info belastbare Informationen zum Thema frz. Urheberrecht und Internet sammelt und aufbereitet? Würde mich über Hinweise freuen!

    A+

    • November 29, 2010 3:04 pm

      Soviel ich weiß, existiert die Schöpfungshöhe nicht im französischen Recht. Jedenfalls wurden nur kurze Passagen von Houellebecq kopiert und es liegt definitiv ein „Werk“ vor, das nach Artikel L. 113-4 des Code de la Propriété Intellectuelle das Eigentum des Autors ist, vorbehaltlich der Rechte des bereits bestehenden Werks.
      Es gibt in Frankreich nach meiner Kenntnis keinen Verein, der irights.info ähnelt, aber dafür eine Menge Organisationen, die sich für freie Lizenzen einsetzen und sich mit dem französischen Recht auskennen, wie z.B. Veni, Vidi, Libri , InLibroVeritas und natürlich Creative Commons France .
      Für mehr Infos: Über die Sache wird in den Kommentaren bei Netzpolitik.org diskutiert.

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