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Französisches Zuckerbrot: Start der Online-Musik-Karte gegen illegales Filesharing

October 25, 2010

Ab dem 28. Oktober läuft in Frankreich ein innovatives Projekt an: Unser Nachbarland startet diese Woche den Versuch, das legale Musikangebot im Internet zu subventionieren.

Carte_musique_telerama

telerama.fr

Die Online-Musik-Karte (Carte musique jeune) für Internetnutzer zwischen 12 und 25 Jahren wird ab diesem Donnerstag erhältlich sein. Was es mit damit auf sich hat, hatten wir schon einmal hier beschrieben. Ziel des Projekts ist, dass sich die jüngeren Internetnutzer wieder daran gewöhnen sollen, für ihre Musik zu zahlen und legale Musikdownloads dadurch zu fördern. Die Karte wird für 50 Euro erhältlich sein. Etwa die Hälfte muss selbst gezahlt werden, die andere Hälfte wird vom Staat übernommen. Die französische Regierung kostet das für zwei Jahre angesetzte Projekt ganze 25 Millionen Euro pro Jahr. Da die Finanzierung lange unklar schien, wurde der Start der Musik-Karte bereits mehrere Male angekündigt und dann wieder verschoben. Das Projekt wurde im Januar zum ersten Mal vorgestellt, im März bei der EU eingereicht und ein Start pünktlich zur Fête de la Musique im Juni erhofft.

Grünes Licht von der EU-Kommission

Als am 12. Oktober die Europäische Kommission die Online-Musik-Karte freigab, wurde der Prozess dann  endlich beschleunigt.

Gleichzeitig zur Musik-Karte werden die Abo-Dienste des subventionierten Musikangebots auf einer eigens eingerichteten Webseite aufgelistet: http://www.carte-musique.gouv.fr. Die größeren Partner sind z.B.  die FNAC, iTunes und Virgin, aber auch unabhängige und kleinere Anbieter wie Starzik sind mit dabei.

In einer Pressemitteilung ist die Kommission

zu dem Schluss gekommen, dass der Nutzen der Maßnahme die möglicherweise durch die Beihilfe entstehenden Wettbewerbsverzerrungen überwiegt.

Bei der Carte Musique wird demnach sichergestellt, dass keiner der Anbieter über 5 Millionen Euro erwirtschaften kann, so kann beispielsweise ein Apple-Monopol vermieden werden.

Zuckerbrot und Peitsche

Eigentlich war von der Regierung geplant, die Karte als Sensibilisierungsmaßnahme zeitgleich zum Start des Hadopi-Gesetzes anzubieten, sozusagen als Zuckerbrot zur Peitsche. Während es also nun auf der einen Seite zwei Verwarnungen und dann Netzsperren für Copyright-Verstöße gibt, werden die französischen Internetnutzer dazu aufgefordert, ganz legal und zur Hälfte vom Staat finanziert bei Abo-Diensten Musik herunterladen.

flickr_bukutgirl

flickr/bukutgirl

Die große Frage ist jetzt, wie das Projekt von den Franzosen aufgenommen wird. Im Mai eröffnete die Regierung die Internetplattform Waka, um jüngeren Internetnutzern eine Stimme zu geben: „damit sich was ändert“. Die französische Regierung geht von einer Million verkauften Karten aus. Die Kommentare im Forum fielen allerdings nicht besonders positiv aus (von „total daneben“ bis zu „hirnrissige Idee“) und 83 % der Teilnehmer einer Online-Umfrage im Mai fanden die Karte gar nicht verlockend. Aber vielleicht ändert sich das jetzt zu Weihnachten…


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