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Französisches Ministerium für Kultur beim Raubkopieren erwischt

September 21, 2010

Es handelt sich eher um eine Anekdote, die aber eine Menge über die Unzulänglichkeit und die schlechte Anpassung des französischen Urheberrechts an heutige Verhältnisse verrät.

Die Tribune de l’Art, ein Online-Magazin mit kunsthistorischen Nachrichten vom Mittelalter bis zum Jahr 1930, hatte  am vergangenen Samstag darüber berichtet, dass es das Ministerium für Kultur (das sich sehr für die Schaffung der französische Kontrollbehörde zum Schutz schöpferischer Werke im Internet, kurz „Hadopi“, engagierte) bei der nicht-lizenzierten Übernahme eines Bildes von ihrer Internetseite erwischt hat.

In der Erklärung der Tribune de l’Art heißt es, dass das Ministerium „weder um Erlaubnis gebeten, noch eine Quellenangabe gemacht habe“. Trotzdem bot die Tribune dem Ministerium sofort die Bildrechte an, da sie „für den freien Umlauf von Fotos im Internet sei“ – unter der Bedingung der Namensnennung. Mittlerweile hat sich das Ministerium für Kultur für die unerlaubte Nutzung des Bildes entschuldigt. Angeblich handelte es sich nur um  ein technisches Problem bei der Anzeige der Namensnennung.

Es ist nicht das erste Mal, dass die französische Regierungspartei UMP, die sich derzeit als Schutzheilige des Urheberrechts aufführt, auf eben diesem Gebiet nicht unfehlbar ist. Die Partei musste im letzten Jahr 30.000 € Schadensersatz an MGMT wegen der ungenehmigten Verwendung des Songs “Kids” bei politischen Meetings (und anschließender Veröffentlichung bei YouTube) zahlen. Dann gab es da noch den Fall mit dem Hadopi-Logo. Die Hadopi-Behörde verletzte nämlich für ihr Logo durch die Verwendung einer lizenzierten Schriftart das Urheberrecht und war gezwungen, ein neues Logo zu erstellen.

Die Tribune de l’Art schlussfolgert:

Die Regierung, die sich so prompt für das Urheberrecht einsetzt und ein unanwendbares und potentiell freiheitseinschränkendes Gesetz schafft, ist nicht einmal fähig, die eigenen Gesetze selbst zu befolgen. Dies ist übrigens keine Neuigkeit, denn die größten Hadopi-Befürworter sind manchmal die ersten Piraten.

Le gouvernement, si prompt à défendre le droit d’auteur par une loi inapplicable et potentiellement liberticide, n’est pas capable de la respecter lui-même. Ce n’est d’ailleurs pas une nouveauté, les plus grands défenseurs d’Hadopi étant parfois les premiers pirates.


polemiquelogo

Altes & neues Hadopi-Logo (via Numerama.com)


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