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Open Data Berlin vs. Paris

June 18, 2010

(Pour la version française c’est par ici)

Am 8. Juni 2010 hat der Conseil de Paris (Pariser Rat) einen Beschluss gefasst, der die Herzen der Anhänger der französischen Open-Data-Bewegung höher schlagen lässt. In der Hauptstadt soll nun untersucht werden, wie die Stadt öffentliche Daten zugänglich und nutzbar machen kann. Hier ein kurzer Auszug aus der Übersetzung der EPSIplatform ins Englische:

Article 1: The principle of public data release from the city of Paris is approved.

Article 2: The Mayor of Paris implements the gradual dissemination of these data and in particular:

It prepares licensing types adapted to each category of data and their purposes.

It takes into account issues of ownership of data generated by service contracts with the principal object or accessory collection, storage, treatment or generation of data and eventual recovery and the technical implementation of these operations.

It means the person responsible for the reuse of public data from the city of Paris to create a directory of important information that can reuse by the public.

Es ist nur ein kleiner Schritt in die richtige Richtung, aber den Forderungen nach mehr Transparenz, mehr Demokratie und einer besseren Förderung von Bürgerbewegungen, wurde in Paris bereits ein wenig Gehör geschenkt. Der Rat hofft, dass sich dadurch neue Bürgerdienste und Partizipationswege entfalten, wie dies bereits bei den großen Vorbildern San Francisco, New York oder auch London der Fall ist. Zu den gefragtesten Datensätzen in London gehören zurzeit die Verkehrskameras live und das OpenStreetMap-Projekt.

Open Data?

Die Open-Data-Bewegung möchte erreichen, dass möglichst viele offizielle Daten in computerlesbaren Standardformaten allgemein und einfach zugänglich gemacht werden. Die Amerikaner sind Frankreich und Deutschland schon ein wenig voraus und auch das Vereinigte Königreich folgte dem amerikanischen Beispiel im Januar 2010 mit der Website data.gov.uk. Dort publiziert die britische Regierung unter offenen Lizenzen maschinenlesbare Daten aus der öffentlichen Verwaltung. Rohdaten können nun neu und individuell ausgewertet, oder auch von den Behörden selbst weiterverwertet und ausgetauscht werden. Ein gutes Beispiel, wie das Ganze dann in der Praxis aussehen soll, ist das Projekt Open Berlin, mit dessen Hilfe ein offenes Stadtinformationssystem entstehen soll. Der Prototyp stellt soziale Maßnahmen des Konjunkturpakets II in Kartenform dar, die sich so mit der sozialen Struktur von Berlin abgleichen lassen. Zu den Prinzipien für offene Regierungsdaten, die von der sogenannten Open Government Data Arbeitsgruppe in den USA bereits im Jahre 2007 ausgearbeitet wurden und die zur Orientierung für Behörden und Institutionen dienen können, gehört u.a. die Vollständigkeit und Zugänglichkeit der Daten, die lizenzfrei, nicht diskriminierend und maschinenlesbar sein sollten. Nähere Erläuterungen zu den Prinzipien findet man hier (EN) oder auch im Blog des Open Data Networks. Die Open Knowledge Foundation definiert hier außerdem den Begriff “Offenes Wissen“.

openberlin

CC Flickr alles-schlumpf

Berlin

Der Verein Open Data Network wurde am 21.10.2009 in Berlin gegründet und war seitdem nicht untätig. Er betreibt unter anderem das Projekt offeneDaten.de. Es soll offene Daten aus den Bereichen der Politik, der öffentlichen Verwaltung, Bibliotheken , Wissenschaft und Forschung in ganz Deutschland auffindbar und nutzbar machen. Wie eine vermehrte Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern an politischen Prozessen ermöglicht werden kann, wurde Anfang Mai in Berlin auch auf dem “Open-Democracy-Camp” (Online-Protokoll) diskutiert. Dort wurde beispielsweise die Idee einer “Open Transport Map” vorgestellt, mit der Fahrpläne verschiedener Verkehrsmittel zusammengeführt und zugänglich gemacht werden könnten. Bereits online ist das auf dem Camp vorgestellte Projekt mapnificent.de, welches statistische Informationen über Berlin miteinander verbindet und auf einer Karte darstellt. In Berlin fand zudem am 03.06.2010 zum ersten Mal das Treffen „everything open – open Berlin!“ statt. Jeden ersten Donnerstag im Monat wird das Treffen regelmäßig unter dem Motto „everything open“ wiederholt.

Paris

Eiffelturm

CC flickr zebrafink74

Im letzten Dezember fand in Paris das erste Open Data Camp statt, auf welchem festgestellt wurde, dass Frankreich in Sachen Open Data den USA oder auch dem Vereinigten Königreich noch hinterher hinkt.  Hier gibt es die Protokolle der Arbeitsgruppen und Videos (Französisch). Zu den wenigen Open-Data-Projekten gehört das Archiv mit dem schönen Namen HAL, welches freien Zugang zu wissenschaftlichen Artikeln ermöglicht. Seit 2002 gibt es die Seite LégiFrance, auf der alle französischen Gesetzestexte publiziert werden.

Zu den von Bürgerbewegungen betriebenen Projekte gehört unter anderem NosDéputés.fr („unsere Abgeordneten“), ein Observatorium der parlamentarischen Aktivität. Das Portal bietet vielseitige Informationen über Gesetzesvorschläge, Redebeiträge und die Frequenz der Teilnahme einzelner Abgeordneter. Eine weitere schöne Aktion, die zeigt, wie Daten neu genutzt werden können, sind die Statistiken und  Standorte des Leihradsystems Vélib in Paris. Dort werden ab und zu Veranstaltungen vom Social Media Club Paris und Owni rund um das Thema Open Data veranstaltet. In Nantes wurde zudem vor kurzem der Verein LiberTIC gegründet, der lokal  aktiv ist. In Paris jedoch gibt es im Moment noch keine auf das Thema spezialisierte Vereine.

Hinsichtlich des Beschlusses des Pariser Rats befürchtet die Bürgerbewegung Regards Citoyens eine komplexe Maschinerie mit neuen Lizenzen, ohne jegliche Erwähnung von freiem Zugang zu den Daten. Daher hat der Verein einen Änderungsantrag erstellt, der auch teilweise  übernommen wurde. Es bleiben aber noch viele Fragen offen: Wie wird letztendlich lizenziert? Werden die Formate standardisiert? Werden Daten semantisch strukturiert? Welche Mittel werden den Bürgern zur Verfügung gestellt? Wird es eine zentrale Plattform geben? Wer ist für die Sammlung und Aktualisierung der Daten zuständig?

Vielen Dank an Benjamin Ooghe-Tabanou von Regards Citoyens für die schnellen Antworten auf unsere Fragen!



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