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Big Brother Awards 2010 in Frankreich

May 17, 2010

In diesem Jahr findet in Frankreich die zehnte Verleihung der Big Brother Awards statt. Big Brother Awards 2010

Alcatel, Facebook, Google, die französischen Gelben Seiten, die H1N1-Datenbank der Roselyne Bachelot, Brice Hortefeux, Frédéric Mitterrand, Michèle Alliot-Marie… Die Jury wurde mit Vorschlägen nur so überhäuft, aber nun stehen die unglücklichen Gewinner, die sich in unserem Nachbarland im letzten Jahr besonders durch Verletzungen des Datenschutzes oder Beschneidungen der Bürgerrechte hervorgetan haben, fest:

Der BigBrotherAward 2010 in der Katergorie „Politik“ geht an Eric Besson, Minister für Immigration und nationale Identität. Er hat im letzten Jahr die Zahlen der Abschiebungen in die Höhe getrieben (2009 insg. 29 288 Abschiebungen) und mit der medienwirksamen Festnahme von Hunderten von Flüchtlingen den „Dschungel von Calais“ aufgeräumt. Zudem versuchte Besson, festgenommenen Flüchtlingen ihre Rechte vorzuenthalten und lehnt es immer noch ab, engagierte Bürger im Bereich der Flüchtlingshilfe vor Strafverfolgung zu schützen (siehe hierzu auch den Film Welcome).

Ein weiterer Award geht an Brice Hortefeux, französischer Innenminister. Als großer Befürworter der Videoüberwachung findet er hierfür neue Wortschöpfungen und Euphemismen, u.a. den Begriff „vidéo-protection“ (Videoschutz). Am 9. September 2009 stellte er mit folgenden Erklärungen das Programm zur Kofinanzierung der Videoüberwachung vor:

Wer sich nichts vorzuwerfen hat, muss sich auch nicht davor fürchten, gefilmt zu werden! Video-Schutzmaßnahmen werden nicht nur eingerichtet, um Störenfriede zu identifizieren und Kriminelle abzuschrecken, sondern um vor allem über ehrliche Bürger zu wachen.

Videoprotection

Sicherheit im Dienst der Freiheit

Den Award in der Kategorie „Internet“ verleiht die Jury dem französischen Schauspieler Thierry Lhermitte, Teilhaber von Trident Media Guard. Das Unternehmen ist darauf spezialisert, illegale Downloads zu orten. TMG wird in Frankreich voraussichtlich ganz gute Profite machen, indem es für die französische Kontrollbehörde zum Schutz schöpferischer Werke im Internet (Hadopi) die Internetnutzer Frankreichs überwacht und IP-Adressen identifiziert. Denn bei wiederholten Urheberrechtsverstößen kann es in Frankreich nach Inkrafttreten des Hadopi-Gesetzes, wie auch vom englischen Gesetz über die Digitale Wirtschaft (Digital Economy Bill) vorgesehen, zur Sperrung des Internetzugangs bis zu einem Jahr, und sogar zu Freiheits- und Geldstrafen in Höhe von mehreren hunderttausend Euro kommen.

Den BigBrotherAward 2010 in der Kategorie „Wirtschaft“ erhalten eine Handvoll französische Banken: Die BNP Paribas, die Postbank, die LCL und die Société Générale. Die Kreditinstitute gewährleisten ihren Angestellten Anonymität, die Kunden ohne gültige Aufenthaltspapiere bei den Behörden melden. Bereits seit 2007 gibt es immer wieder Fälle von Denunziationen.

Weitere Informationen und alle Gewinner gibt es auf der Seite der Big Brother Awards (FR).

Jean-Marc Manach, einer der Organisatoren und Blogger bei Le Monde, erklärte uns bereits, dass die Preisverleihung (BarCamp) am 29. Mai 2010 auch über Livestream verfolgt werden kann (selbst ohne Französischkenntnisse lohnt es sich kurz für die Show der Franzosen).

Die deutschen Nominierungen laufen übrigens noch: Hier kann man bis zum 15. Juli Kandidaten für die BigBrotherAwards 2010 vorschlagen.


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